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Titel:Wer haftet für das Gedrängel in Internet-Shop?
Inhalt:Tina Ticky hat es immer schon gewusst: Ihr Reise- und Eintrittskarten-Laden muss ins Internet! Das Geschäftslokal in der Haupt-Einkaufsstraße läuft gut, das Weihnachtsgeschäft naht, also hin zu Willi W. Webster, der in seinem Super-Premium Paket in für 89 DM pro Monat die Einrichtung eines Online-Shops auf seinem Internetserver anbietet.
Dank eines fähigen Webmasters sind die technische Probleme schnell gemeistert und Tina startet mit wachsenden Umsätzen ihren Internetladen.
Davon erfährt eine auflagenstarke bundesweite Zeitschrift und veröffentlicht Tina's Internetladen-Adresse als Tipp für last-minute-Weihnachtsgeschenke. Nun gibt es für die Kunden keinen erhalten mehr: Alle wollen sie online bei Tina Ticky Karten bestellen; dem ist der Server des Webhosters nicht gewachsen. Eine Auslastung von 85 Prozent allein durch Tinas Kartenladen! "So haben wir nicht gewettet", denkt sich W.W.Webster, "die Kiste ist mir deshalb schon ein paar mal abgestürzt!". Er schaltet Tinas Online-Shop ab.
Tina schäumt, versucht vergeblich, Willi, der etwas von "fehlerhaften cgi-Skripten" und "ständigen Störungen" murmelt, zur Störungsbeseitigung und Einschaltung ihres Online-Shops zu bewegen und muss sich dann so kurz vor Weihnachten noch nach einem neuen Internet- Dienstanbieter umsehen, den sie natürlich findet. Ihr fähiger Webmaster ist über Weihnachten schwer im Einsatz und schafft es, dass zum Jahreswechsel wenigstens Tinas Internetpräsenz wieder störungsfrei läuft. Die Umsätze verzehnfachen sich in kurzer Zeit.
Willi W. Webster ist natürlich dran: Tina verklagt ihnen auf entgangenen Gewinn für den Zeitraum fehlender Internet-Präsenz ihres Online-Shops.
Das Amtsgericht Charlottenburg (http://www.jurpc.de/rechtspr/20020066.htm) gibt Tina überwiegend Recht: Ihr Vertrag mit Willi W. Webster ist ein Mietvertrag. Wenn der Internet-Server nicht genügend Kapazitäten hat, so müssen seine Kapazitäten aufgestockt werden; dabei hat der web-hoster eine angemessene Abhilfefrist von knapp zwei Tagen. Danach haftet er für Gewinnausfälle des Shop-Betreibers. Wenn durch die notwendige Aufstockung der Server-Kapazität die Ausgewogenheit des Mietvertragsverhältnisses gestört wird, "liegt dieser Umstand allein im Verantwortungsbereich der Beklagten. Einschränkungen des Betriebsumfangs des Online-Shops sieht der Vertrag nicht vor. Gegen daraus erwachsene Risiken müsste sich -wirtschaftlich betrachtet- die Beklagte versichern", so das Gericht.
An dieser Stelle erscheint das Urteil angreifbar: Eine Auslegung des Vertrages nach Sinn und Zweck könnte durchaus zu anderen Ergebnissen führen; wie sagte schon der Jurist J.W. von Goethe: "Im Auslegen seit frisch und munter, und legt Ihr's nicht aus, so legt was unter!"
Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

(copyright 2002 www.anwaltsbuero.com)
Rechtsvorschrift: 
Datum:2.5.02
Verfasser:Thomas Breitenbach
Fundstelle: 
e-mail:thomas@anwaltsbuero.com


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